Echte Sicherheit

Was gibt uns Sicherheit? Wie sieht ein Gefühl von Sicherheit aus in der Welt, in der wir leben? Diese Frage stellt sich auch ohne eine weltweite Epidemie hin und wieder. Mit einer weltweiten Epidemie steht sie vielleicht noch etwas lauter im Raum.

Vieles auf dieser Welt ist wunderschön. Sich zu verlieben zum Beispiel. Oder ferne Länder zu entdecken. Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Oder sein Geld in seinem Traumjob zu verdienen.

Noch bis vor Kurzem hätte niemand gedacht, dass diese Dinge grundsätzlich in Frage stehen könnten. Vor vier Monaten saß ich gerade in Sitges, in Spanien. In einem belebten Café trank ich Milchkaffee und aß Tortilla-Brötchen; und ich sah dabei zu, wie die Menschen um mich herum sich mit Küsschen links, Küsschen rechts begrüßten. Vor einigen Wochen traf ich noch meine Freunde ohne jeden Sicherheitsabstand. Ich dachte nicht im Traum daran, dass – sollte ich mich verlieben – die schwierigste Frage einmal darin bestehen könnte, wie es gelingt, sich live gegenüberzusitzen anstatt nur per Video-Anruf. Und dass jemand, der beispielsweise seinem Traumjob Pilot nachgeht, plötzlich nicht mehr weiß, wie er seinen Beruf ausüben soll, konnte ich mir auch nicht vorstellen.

Wenn Dinge, die als gewiss galten, das plötzlich nicht mehr sind… Was dann?

So vieles verändert sich, auch in kleineren Maßstäben. War es früher der Normalzustand jahrzehntelang denselben Job zu machen, sieht die Welt heute anders aus. Wer vor fünf Jahren unsere beste Freundin war, ist es inzwischen vielleicht nicht mehr. Das, was ich mit Ende 20 über das Leben dachte, hat sich nicht unbedingt als für alle Zeiten gültig herausgestellt.

Woher kommt also die Sicherheit? Ich glaube, sie kommt nicht von außen. Sicherheit im Außen ist trügerisch, weil das Außen sich kontinuierlich verändert. Wir können nicht uneingeschränkt entscheiden, wie unsere Welt morgen und nächsten Monat und nächstes Jahr aussieht.

Was wir aber entscheiden können, ist, wer wir in dieser Welt sein wollen – egal wie sehr sie sich auch immer verändern mag. Wer ich im tiefsten Inneren bin ist das, was Bestand hat und worin meine Sicherheit liegt.

Als ein Mensch, für den Reisen eines der größten Dinge auf der Welt ist, sollte ich auf Reisen gehen (sobald das wieder möglich ist). Denn mir geht es so: Dadurch, dass ich seit Jahren begeistert Zeit in anderen Ländern verbringe und unzählige wunderbare Erinnerungen gesammelt habe, fällt es mir gerade leichter, nicht verreisen zu können. Die ganz grundsätzliche Entscheidung, mich auf meine eigene Art und Weise zu verlieben, setzt genug Kreativität frei, um auch unter ungewöhnlichen Umständen Wege zu finden, zusammen zu sein. Zu wissen, was mir in einer Freundschaft wichtig ist, öffnet die Tür zu den richtigen Menschen; auch wenn es vielleicht nicht mein Leben lang immer dieselben Menschen sind. Meine Klarheit, wie ich arbeiten möchte, eröffnet mir neue Ideen; und zwar unabhängig davon, wie der gesellschaftliche Konsens über Arbeitswelt gerade lautet.

Das ist der Ort, an dem Sicherheit entsteht: in meinem Wissen, wer ich bin und sein möchte – und meiner Bereitschaft, soviel davon wie möglich in die Welt zu tragen.

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Pures Leben, die Zweite

Ihr Lieben, nach fast drei Jahren wurde es Zeit, fand ich: Deshalb gibt es jetzt ein zweites Buch mit meinen Texten.

Pures Leben 2: Eine Reise zu Liebe, Wärme und Freiheit“ enthält 52 neue Texte – einen für jede Woche des Jahres – mit meinen Ideen und Impulsen für die schönste aller Reisen, das Leben.

Ich hoffe, es gefällt euch!

Alles Liebe von Karina.

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Prioritäten

Wie oft fragt ihr euch, was gerade wichtig und dran ist in eurem Leben? Achtet ihr auf die Zeichen von Veränderung, die signalisieren, dass die Prioritäten sich verschieben?

Ich versuche das. Nicht immer regelmäßig, nicht zu festgelegten Zeitpunkten; aber ich lenke meine Aufmerksamkeit immer wieder einmal in Richtung der Frage, ob das, womit ich meine Tage verbringe, nach wie vor das Richtige ist.

Da ist das Schreiben, in das ich mich in den letzten vier Jahren verliebt habe – mit steigender Tendenz. Mit diesem Blog fing alles an. Mit Children’s Happy Days und der Frage, was Kinder auf der ganzen Welt glücklich macht, ging es weiter. Im August 2018 habe ich angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben. Und 2019 gleich den zweiten verfasst. Im Moment ist die meiste Zeit, die ich mit Schreiben verbringe, Elodie gewidmet, und dem Kinderbuch, in dem sie die Hauptrolle spielt.

Geschichten zu erzählen, hat meine Prioritäten verschoben. Während ich jahrelang unglaublich gerne meine Texte hier für euch schrieb – über das Leben, über das, was mir durch den Kopf geht, über das, was mein Herz sagt, und über die ein oder andere Anekdote, die ich erlebe – sind es jetzt die Geschichten, die mich nicht mehr loslassen. Das, was ich nur in Geschichten erzählen kann, ist inzwischen das, woran ich mich am liebsten setze, wenn ich meinen Laptop hochfahre, um zu schreiben.

Da ist der Sport. Seit acht Jahren tanze ich – mehrmals die Woche, erst mit Erwachsenen, dann auch mit Kindern. Vor einem Jahr habe ich Yin Yoga entdeckt. Die Freude an der Entspannung ist in diesem Jahr immer größer geworden, bis sie die Frage aufwarf: Wie gerne unterrichte ich noch Tanzen? Und wie gerne würde ich vielleicht Kindern näherbringen, wie man Ruhe und Gelassenheit in sich verankern kann?

Da sind die Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle. Ich freue mich über die, mit denen ich einfach mal ins Kino oder einen Kaffee trinken gehen kann. Doch je älter ich werde und je genauer ich weiß, was mir wichtig ist, wünsche ich mir Menschen in meinem Leben, denen Ähnliches wichtig ist. Inzwischen verabrede ich mich lieber mit Dania aus Mexiko zu einer Unterhaltung per Skype, weil die Themen, die ich mit ihr bespreche, tiefer gehen als der Kaffeeklatsch mit Freundinnen in meiner Stadt. Eine Nachricht von Cassie aus Melbourne macht mich glücklicher als der Stadtbummel hier, weil Cassie und mich ähnliche Dinge beschäftigen.

All das ist anfangs ungewohnt. Unsere lieben Gewohnheiten pflegen wir oft seit Jahren. Und jahrelang waren sie auch genau das Passende. Ich habe allerdings festgestellt, dass ich nicht den Moment verpassen möchte, in dem sich etwas verändert. Und dass ich diesen Veränderungen Raum geben möchte. Auch wenn es erstmal ungewohnt ist, dass die Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle, über den ganzen Erdball verstreut sind, und wir andere Kommunikationswege finden müssen als uns zum Kaffee in der Stadt zu verabreden. Auch wenn ich so lange Tanzen unterrichte, dass es mir in Fleisch und Blut übergangen ist, während meine Idee, Menschen Entspannung näherzubringen noch eher wage in meinem Kopf hin und her schwankt. Auch wenn ich diesen Blog und seine Texte heiß und innig liebe, und für meine Geschichten den Ort noch nicht gefunden habe, durch den ich die Welt daran teilhaben lassen kann. Diese Veränderungen bedeuten, dass es weitergeht im Leben. Dass sich etwas weiterentwickelt. Dass Leben immer spannend bleibt und neue Überraschungen bereithält.

Deshalb hoffe ich, ihr Lieben, dass auch ihr weitermacht, wenn die Zeit wieder einmal reif dafür ist.

Und ich hoffe, dass die Geschichten, die ich schreibe, genauso ihren Weg in die Welt finden, wie es meine Texte hier getan haben.

In diesem Sinne wundert euch nicht, wenn nur noch ab und zu ein neuer Text auf Pures Leben auftaucht. Vielleicht habt ihr ja auch früher oder später einen Roman von mir in der Hand. So oder so lesen wir uns.

Ganz liebe Grüße, eure Karina

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Tschüss Neid

Neid ist ein ätzendes Gefühl, oder? Er macht beklommen, sauer und vergiftet die eigene Lebensfreude. Wenn ich mich frage, warum Andreas seinen Traumjob hat und ich nicht, warum Miriam so einen tollen und fürsorglichen Mann hat und ich nicht, oder warum Elena Abenteuerurlaub in Ecuador macht und ich nicht – dann habe ich in diesem Moment die Möglichkeit, glücklich und zufrieden zu sein, zerstört.

Außerdem bin ich noch niemandem begegnet, dem es gelungen ist, mithilfe von Neid das zu erreichen, was er sich gewünscht hätte.

Eine Freundin gab mir einmal drei Tipps, sich von Neid zu kurieren. Auf den ersten Blick erscheinen sie paradox und skurril, auf den zweiten Blick fand ich sie genial.

Tipp Nummer Eins lautet: Mache demjenigen, auf den du neidisch bist, ein Kompliment. Konkret bedeutet das: Lass Andreas wissen, wie aufregend du es findest, dass er als Landschaftsarchitekt Parks und Gärten in ganz Europa gestaltet. Sage Miriam, wie gut sie ihren Mann ausgesucht hat, der ihr auch nach fünf gemeinsamen Jahren immer noch Blumen schenkt. Verrate Elena, wie beindruckt du von ihrem Mut bist, alleine nach Ecuador zu reisen. Im ersten Augenblick fühlt sich das an, als würde ich gegen die eigene Intuition handeln – nur dass es in diesem Fall nicht die Intuition, sondern der Neid ist, der mich abhält. Der Neid, der sofort verschwindet, wenn ich tatsächlich ein Kompliment ausspreche. Denn plötzlich denke ich nicht mehr darüber nach, dass es mir stinkt, dass ich nicht das Gleiche wie Andreas, Miriam oder Elena habe. Stattdessen erkenne ich an, was sie geschafft haben. Das bekommt mir nicht nur besser, das führt in manchen Fällen sogar zu neuen oder besseren Freundschaften mit Menschen, die ein Vorbild oder eine Motivation für das sein können, was ich mir wünsche.

Tipp Nummer Zwei: Gib genau das, von dem du denkst, dass es dir fehlt. Du glaubst, du verdienst nicht genug Geld? Dann spende etwas an das Tierheim, ein Kinderdorf oder die Tafeln. Du glaubst, du bekommst nicht genug Liebe? Dann nimm dir einen Nachmittag für einen Menschen Zeit, der sich über deine Zuwendung freut. Du glaubst, du erlebst nicht genug? Dann veranstalte für deine Freunde eine einmalige, unvergessliche Aktion, sei es die Schatzsuche im Park, ein Themenabend zu eurem Lieblingsfilm oder der Ausflug in dieses neue indische Restaurant. Und plötzlich wird dir klar, dass du genug Geld hast, dass du, je mehr Liebe du gibst umso mehr Liebe bekommst, und dass es an dir selbst liegt, wie viel oder wenig du erlebst,

Der dritte und letzte Tipp meiner Freundin hieß: Vergleich dich nicht. Kein Mensch ist wie der andere. Wir sind alle unterschiedlich und werden deshalb nie exakt das Gleiche erreichen können wie jemand anderes. Zum Glück. Denn es würde nicht zu uns passen. Selbst wenn ich auch gerne als Landschaftsarchitekt durch Europa reisen würde: Ich müsste es auf meine Art tun, und nicht auf Andreas‘ Art. Selbst wenn ich mir ebenfalls einen Mann wünsche, der mir nach fünf Jahren noch Blumen schenkt: Ich brauche eine Beziehung, die zu mir passt, und kein Abziehbild von Miriams Ehe. Und selbst wenn ich auch gerne den Mut hätte, alleine nach Ecuador zu reisen: Meine Reise würde anders aussehen als die Reise, die Elena vor sich hat.

Spürt ihr auch, wie der Neid sich in Luft auflöst? Falls er noch zu fünf Prozent da ist, lasst mich Folgendes hinzufügen: Es ist nicht wahr, dass wir bestimmte Dinge nicht haben können, weil andere sie haben. Es ist genug für alle da. Es gibt kein Limit an Traumjobs, Traummännern, Traumreisen, oder was auch immer ihr euch wünscht. Andreas hat seinen Traumjob – und genauso kannst du deinen Traumjob haben. Miriam hat ihren Traummann – und genauso kannst du deinen Traummann heiraten. Elena hat ihre Traumreise – und genauso kannst du in den Flieger steigen und deine eigene erleben.

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Unsere Geschichten

Am Anfang der Geschichte mit einem anderen Menschen steht meistens etwas, das wir an ihm oder ihr toll finden, das uns sympathisch erscheint oder uns fasziniert.

Mein Teenie-Ich wurde beim Kennenlern-Treffen für die Ferienfreizeit nach Assisi auf Peter aufmerksam, als der in der Vorstellungsrunde nach dem Fläschchen Meditonsin griff. – Dazu muss ich sagen, dass in der Mitte verschiedene Gegenstände lagen und wir uns, wenn wir uns vorstellten, einen davon nehmen sollten, der uns besonders ins Auge fiel. – Peter nahm also das Fläschchen Meditonsin, sagte, wie er hieß und erklärte: „Ich habe die Flasche Meditonsin genommen, weil… es Meditonsin ist.“ Mit einem frechen, leicht spöttischen Grinsen, das mich dazu brachte, ebenfalls zu grinsen.

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