Jeden Tag

Liebe ist etwas Wunderschönes und Großartiges. Ich glaube, die Frage, wie viel Raum wir der Liebe in unserem Leben geben, hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden und unser Glück.

Liebe ist nicht das Cabrio, auf das wir jahrelang sparen, oder die Reise nach Hawaii, die wir nur einmal im Leben machen. Liebe ist zu jeder Zeit an jedem Tag möglich. Denn Liebe besteht nicht in der Hochzeit, die wir – im Idealfall – nur einmal im Leben feiern. Sie besteht nicht aus den zwei Wochen Sommerurlaub, der das Highlight schlechthin ist. Sie besteht nicht aus dem Sonntagabend, an dem wir endlich mal zwei Stunden für uns haben.

Wenn wir so denken, werden wir in unserem Leben nicht viel Liebe erleben. Die Hochzeit ist ein einziger Tag unter tausend anderen. 50 weitere Wochen stehen den beiden Wochen Sommerurlaub gegenüber. Der Sonntagabend ist nur einer aus sieben Abenden pro Woche.

Liebe sind für mich weniger die seltenen, besonderen Ereignisse, sondern die unendlich vielen alltäglichen, kleinen Dinge. Liebe ist der Zettel, den du für mich an den Kühlschrank klebst, auf dem steht: Ich liebe dich. Hab einen schönen Tag. Liebe ist der Montagabend, an dem wir spontan ins Kino gehen, weil dieser tolle Film läuft. Liebe ist, dass wir uns zuhören, anstatt am Handy zu hängen. Liebe ist, an einem stinknormalen Tag die Musik aufzudrehen, durch die Küche zu tanzen und etwas Leckeres zusammen zu kochen. Liebe ist, dem anderen mal seine Lieblingsschokolade mitzubringen. Denn das ist das, was uns trägt. Es ist schwer möglich, die nächsten 30 Jahre ausschließlich von den Erinnerungen an eine Märchenhochzeit zu leben. Es wird mir wohl nicht gelingen, im Januar immer noch glücklich zu sein, weil der Urlaub im August so schön war. Doch die Kleinigkeiten, mit denen wir uns jeden Tag ein Stück Liebe schenken – die tragen uns das ganze Jahr.

Genauso wie es nicht dieser eine Abend vor fünfzehn Monaten ist, an dem wir uns ein Musical angesehen haben, der meine beste Freundin und mich verbindet. Wir spüren, dass wir uns wichtig sind wegen der Mails, die wir uns fast täglich schreiben, den Spaziergängen im Park, die wir jedes Wochenende machen können, und den entspannten Abenden bei einem von uns zuhause, mit Pizza und einem guten Film.

Und auch was mich selbst betrifft, so ist es nicht das Rumpsteak oder die ausgefallene Klamotte, die ich mir ausnahmsweise gönne, um zu wissen, dass ich mir wichtig bin. Täglich zu versuchen, liebevoll mit mir umzugehen, zeigt, dass ich mir am Herzen liege. Meine eigene Erlaubnis, samstags nicht noch die Bude zu putzen, wenn die Woche anstrengend war, Rücksicht auf mich selbst zu nehmen, wenn mein Kopf wehtut, mich in meinen Träumen zu bestärken – daran bemisst sich die Liebe zu mir selbst.

Liebe ist nicht das Tafelsilber, das ich einmal im Jahr an Weihnachten feierlich hervorhole. Liebe ist die Tasse Kaffee am Morgen. Das Duschbad, das nach Kokosnuss duftet. Meine Lieblingsserie.

Liebe ist etwas für jeden Tag.

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Geschmacksexplosion in Valencia

Ich habe schon oft über die belebenden Eindrücke, Ideen und die Inspiration geschrieben, die wie von alleine auftauchen, sobald wir auf Reisen gehen. Kaum eine Woche in einem anderen Land, die mich nicht auf frische Gedanken bringt und mich mit neuem Schwung nach Hause fliegen lässt.

Über einen Teil dieser Inspiration habe ich bisher wenig zu Papier gebracht. Der Teil, der mich unter anderem in den Osterferien in Valencia überglücklich machte: das Essen dort. Ich liebe Tortilla, Paella, spanischen Milchkaffee und Churros. Ich liebe die Atmosphäre in spanischen Restaurants: die lebhaften Unterhaltungen am Nebentisch, die Zeit, die man sich nimmt, um das Essen zu genießen, die Freundlichkeit der Menschen, die hier in der Gastronomie arbeiten.

Seit ich auf Reisen lieber in einer Ferienwohnung als im Hotel wohne, ist die Geschmacksexplosion noch umfassender geworden. Dank Herd und Kühlschrank eröffnet auch der Besuch im Supermarkt ganz neue Möglichkeiten. Es gehört für mich mittlerweile zu den spannendsten Dingen auf Reisen, den Supermarkt vor Ort zu durchstreifen. Ich staune über die riesengroße Fischtheke im ‚Mercadona‘ in Malvarrosa. Unter den verschiedenen Käsesorten kann ich mich nicht entscheiden, welcher der Beste ist, weil sie alle so köstlich schmecken. Beim Gedanken an Jamón Ibérico, den iberischen Schinken läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Keine Olive, die ich je in Deutschland gegessen habe, war so lecker wie die Oliven in Südeuropa. Dass den Orangen aus Valencia nachgesagt wird, sie seien die besten der Welt, versteht man, wenn man dort einmal einen frischgepressten Orangensaft getrunken hat – den man in Valencia sogar bei McDonald‘s bekommen kann.

Und während ich über die Köstlichkeiten in Valencia sinniere, fällt mir auch das himmlische Essen an anderen Orten wieder ein. Das irische Frühstück mit Porridge, Würstchen und Spiegelei, das mich erst irritierte und dann fand ich es gigantisch. Die Nudeln mit Lachs am Strand von Carcavelos in Portugal, die mich so umhauten, dass ich meinen Teller fotografierte – obwohl ich normalerweise nicht zu den Menschen gehöre, die ihr Essen ablichten. Éclairs in Straßburg. Schwedischer Kuchen. Pastéis de Nata in Portugal.

Das Essen in anderen Ländern ist ein besonderes Erlebnis. Und das Schönste ist: Auch das bringt mich auf Ideen, die ich mit nach Hause nehme. Seit meiner ersten Irland-Reise gehört Porridge mit Banane zu meinen Frühstücks-Optionen. Chorizo-Bällchen zu kochen macht nicht nur riesigen Spaß, sondern erinnert mich sofort an Spanien. Pastéis de Nata zu backen versetzt mich zurück nach Portugal. Und nachdem ich in Valencia war, orderte ich im Internet eine Packung Reis von La Fallera. Seitdem steht immer wieder mal eine Paella auf dem Speiseplan, mit Hühnchen, Chorizo, Paprika und Tomate.

Sich die Welt in die Küche zu holen hat einen Platz in den Top Ten der Dinge verdient, die glücklich machen.

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Echte Bedeutung

Ich bin ein Industrieland-Kind. Das heißt, ich bin aufgewachsen mit der hier üblichen Idee, dass der Kontostand, der berufliche Titel und das Staunen der Mitmenschen über vollbrachte Leistungen wichtig sind. Abgemildert zwar durch meine Eltern, die auch andere Ideen dazu hatten, was von Bedeutung ist – wie Liebe, Zusammengehörigkeit und das Leben zu genießen. Doch ich ging in die Schule, hatte Freunde, bewegte mich in diesem Land, das so durch und durch von wirtschaftlichem „Erfolgs“-Denken geprägt ist.

Noch heute, den Kinderschuhen schon eine Weile entwachsen, ertappe ich mich manchmal bei Überlegungen, ob es wichtig wäre, mehr Geld zu haben, ob ich besser wirken könnte in einer prestigeträchtigen Position, ob es mich glücklich machen würde, andere würden meine bisherigen Lebensleistungen bewundern.

Ich schwanke kurz, beeinflusst von den Ideen, die um mich herumgeistern, ob ich es „richtig“ mache.

Doch wenn ich dann innehalte, denke ich an die Kinder an der deutschen Schule in Lissabon, mit denen ich einen Tag verbrachte, um darüber zu reden, was glücklich macht. Ich tat das während meines Urlaubs, ohne hochoffizielle Einladung als Expertin und ohne Honorar. Jeder „Erfolgsmensch“ hat jetzt abgeschaltet, während ich die leuchtenden Kinderaugen vor mir sehe und daran denke, dass die beiden Lerngruppen, die ich besuchte, anschließend mit ihren Lehrern das Fazit zogen: „Als Karina hier war, war einer der besten Tage.“

Ich denke an meine Mama, die ohne mich wahrscheinlich heute noch keinen Fuß in ein Flugzeug gesetzt hätte, und wie sehr sie strahlt, wenn wir uns wieder auf den Weg ans Meer machen.

Ich denke an die neunjährige Angelina, der ich scheinbar unspektakuläre Nachhilfe in Deutsch gebe, und daran, wie überglücklich sie mir erzählte, dass sie sich im Diktat um zwei Noten verbessert hat. Und ich denke an das lachende Gespenst, das sie aus einer Papierserviette für mich bastelte.

Ich denke an Mike, dem ich einfach so, ohne Anlass, ein Care-Paket schickte, weil ich etwas Nettes und Überraschendes tun wollte, und an die begeisterte Facebook-Nachricht in Brieflänge, die er mir daraufhin schrieb.

Ich denke an Nina und Franzi aus meinem Kindertanz-Kurs, die mir einen „Kiss-the-black-sheep-Lipstick“ schenkten (der die Farbe wechselt, von schwarz zu pink, sobald man ihn aufträgt 😊). Oder an die Karte, auf der alle Kinder mir schrieben: „Danke für den Spaß, den wir bei dir haben, danke für das Lächeln, das du uns aufs Gesicht zauberst.“

Und dann frage ich mich, ob ein besser gefülltes Konto, eine imposantere Berufsbezeichnung oder Beifall für einen hunderte Seiten umfassenden Papiertiger mich glücklicher machen würden. Glücklicher als das Strahlen der Kinder in Lissabon, die Begeisterung meiner Mama, wenn sie am Atlantik steht, das Servietten-Gespenst von Angelina, die Nachricht von Mike, der Schwarzes-Schaf-Lippenstift oder die Karte meiner Tanz-Mädels.

Die Antwort lautet: Nein.

Ich bin mir sicher, dass es in Wahrheit diese Dinge sind, die die echte Bedeutung haben.

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Was passiert, wenn ich mir ein Komplimente-Glas bastle?

Eine der Ideen aus „Surprise yourself“ von Lisa Currie (tolles Buch 🙂 ) ist, sich ein Komplimente-Glas zu basteln: Du schreibst die netten Dinge, die Menschen schon über dich gesagt haben, auf einzelne Zettel. Diese Zettel legst du in ein Glas. Wenn in der Zukunft neue Komplimente dazukommen, schreibst du auch die auf und beförderst sie in dein Komplimente-Glas. Wann immer du ab jetzt eine Ladung Selbstvertrauen oder ein paar gute Schwingungen brauchst, ziehst du einen Zettel aus dem Glas und liest das Kompliment, das darauf steht.

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